Steven Williams, Head of UK Distribution bei GAM Investments, diskutiert mit Kevin Moss, Managing Director bei Liberty Street Advisors, über Chancen auf den Privatmärkten. Sie decken ein breites Themenspektrum ab, darunter Kevins Karriere, seine erfolgreichsten und weniger erfolgreichen Investitionen, die Vermeidung „binärer“ Sektoren und die Art und Weise, wie er und sein Team Zugang zu Deals erhalten.
20. März 2025
Steven Williams: Kevin, sollten wir damit beginnen, ein wenig über Ihre Karriere zu sprechen? Wie sind Sie zum Finanzwesen gekommen?
Kevin Moss: Nun, bereits als junger Mann hatte ich das Ziel, Teil der Finanzbranche zu werden, aber erst, als ich an der Columbia Business School in New York studierte, wo man so ziemlich das lernt, was man in der Finanzindustrie machen wird. Und so stieg ich nach meinem Abschluss an der Columbia in den Handel ein, und dort bin ich seit 30 Jahren tätig.
SW: Wie haben Sie Ihre Karriere im Finanzwesen und insbesondere im Bereich Private Equity (PE) aufgebaut?
KM: Nun, anfangs standen hauptsächlich Aktien im Fokus. So kam ich dazu, eine Gewinn- und Verlustrechnung (P&L) zu steuern. Daraus entwickelte sich schliesslich Private Equity, woraus sich dann diese Strategie herausgebildet hat. Und diese Strategie, mit der wir uns befassen, nämlich das „Late-Stage-Venture", damit beschäftige ich mich seit etwa einem Drittel meiner Karriere.
SW: Sie leben jetzt an der Westküste der USA. War das schon immer so?
KM: Nein. Ich wurde in New Jersey an der Ostküste geboren. Ich verbrachte etwa 15 Jahre in New York City und zog dann für etwa drei Jahre nach London. Erst im Jahr 2009 zog es mich an die Westküste.
SW: Wie haben Sie Christian Munafo kennengelernt?
KM: Wir waren auf der Suche nach einem Chief Investment Officer für die Strategie, die etwa sechs oder sieben Jahre alt war. Dabei handelt es sich um die US-Flaggschiff-Strategie, die wir verwalten. Und wir brauchten einen Chief Investment Officer. Wir beauftragten eine Peronalberatung und sahen uns etwa 30 Kandidaten mit unterschiedlichen Profilen an, bevor wir uns schliesslich für Christian entschieden. Er erfüllte alle Kriterien, die uns wichtig waren. Und es entwickelte sich eine grossartige Partnerschaft.
SW: Wie kommt es, dass Sie die Strategie in die Liberty Street verlegt haben?
KM: Die Strategie wurde ursprünglich von einem Unternehmen namens SharesPost entwickelt. SharesPost verfügte über eine Plattform, die Transaktionen in der Spätphase von Risikokapital erleichterte. Es war also ein hervorragender Ort, um eine solche Strategie zu starten, aber ein sehr schwieriger Ort, um effektiv 40-Act-Fonds* zu vertreiben. Wir suchten also nach einem neuen Standort, an dem wir jemanden finden konnten, der Erfahrung mit dem Vertrieb von 40-Act-Fonds hatte. Und Liberty Street passte wirklich gut zu uns. Also ruderten wir im Dezember 2020 zurück.
SW: Und wenn Sie sich all die Investitionen ansehen, die Sie getätigt haben, gibt es da eine, die vielleicht als die beste heraussticht?
KM: Nun, wir lieben natürlich alle unsere Investitionen. Jede hat ihre eigene Geschichte. Ich würde sagen, es gibt ein paar, die wirklich herausstechen, aber vielleicht ist eines davon ein Unternehmen namens Marqeta. Das ist ein Dienstleistungsunternehmen im Bereich Zahlungsverkehr. Während der Corona-Pandemie hatten viele unterschiedliche Sektoren überhöhte Bewertungen, und Marqeta bildete da keine Ausnahme. Wir kauften das Unternehmen bei etwa zwei USD. Der Kurs stieg bis auf 13 USD. Wir verkauften einige. Der Kurs stieg bis auf 40 USD. Wir veräusserten noch mehr. Schliesslich ging das Unternehmen an die Börse, und wir verkauften den Rest der Aktien in der Mitte der 2000er Jahre. Das war wirklich eine gute Investition.
SW: Klingt gut. Und ich nehme an, Sie wissen, welche Frage als nächste kommt. Was würden Sie sagen, war Ihre schlechteste oder enttäuschendste Investition?
KM: Nun, ich werde mich darauf beschränken, was die schlechteste Investition in dieser speziellen Strategie war, denn ich kann auf eine 30-jährige Karriere zurückblicken, in der es viele Höhen und Tiefen gegeben hat. Aber in dieser Strategie war die schlechteste Investition wahrscheinlich ein Unternehmen namens Sungevity, ein Solarunternehmen. Damals im Jahr 2016, als Trump Präsident wurde, dachte jeder, er würde sich für saubere Technologien einsetzen. Und Solarunternehmen sind kapitalintensive Unternehmen, die auf Kreditlinien angewiesen sind, um ihre Geschäftstätigkeit zu finanzieren. Und so wurden diese Kreditlinien gekappt. Die meisten Solarunternehmen, die auf diese Kreditlinien angewiesen waren, gingen in Konkurs. Und genau das passierte mit Sungevity. Das war eine bedeutende Position für uns. Das war also ein herber Verlust.
SW: Haben Sie aus diesem Prozess viel gelernt, das Sie auf andere Investitionen anwenden konnten?
KM: Ja. Investieren Sie nicht in kapitalintensive Unternehmen, die auf Kreditlinien angewiesen sind. Gehen Sie mit Bedacht vor. Immer wenn Unternehmen viel Geld verbrennen, handelt es sich um ein kapitalintensives Geschäft.
SW: Konzentrieren wir uns mehr auf die von Ihnen verfolgte Strategie. Gibt es einige Kernthemen und Sektoren, auf die Sie das Portfolio ausgerichtet haben?
KM: Nun, das Portfolio ist sektorunabhängig. Wir glauben, dass Technologien alle Sektoren durchdringen. Wir suchen also wirklich nur nach innovativen Unternehmen, die Sektoren disruptiv verändern. Was wir jedoch nicht mögen, sind Sektoren, die von Natur aus binär sind, wie Biotechnologie oder Deep Science. Von diesen Sektoren halten wir uns fern. Nun, ein Teil unserer Strategie besteht darin, ein sehr diversifiziertes Portfolio anzustreben und zwar nicht nur in Bezug auf die Anzahl der Namen. Was die Namen betrifft, sind wir sehr diversifiziert. Und mit 15 bis 20 Sektoren sind wir auch nach Sektoren gut diversifiziert. Ebenso nach Jahrgängen, denn es handelt sich um eine „Evergreen-Strategie“. Wir setzen also Jahr für Jahr Kapital ein.
SW: Und wie sieht es mit der Liquidität aus?
KM: Wir verfolgen eine sehr liquide Strategie. Jedes Quartal lassen wir fünf Prozent auf Fondsebene für Liquidität zu. Das mag nicht nach einer sehr liquiden Strategie aussehen. Aber wenn man sich Private Equity oder Venture Capital ansieht, die zehn- bis fünfzehnjährige Sperrfristen haben, ist das tatsächlich sehr liquide.
SW: Und wie schnell wird das Kapital eingesetzt?
KM: Nun, Sie dürfen nicht vergessen, dass es sich hier nicht um öffentliches Eigenkapital handelt, das mit T+1 abgerechnet wird. Es handelt sich um privates Beteiligungskapital. Und eine private Transaktion wird innerhalb von 30 bis 60 Tagen abgewickelt. Davon abgesehen haben wir zwischen fünf und zehn Transaktionen in Bearbeitung. Wenn also Kapital zufliesst, verfügen wir immer über Deals, bei denen wir das Kapital ziemlich schnell einsetzen können.
SW: Wie unterscheiden sich die Erwartungen an das Renditeprofil auf privaten Märkten von denen im öffentlichen Bereich?
KM: Natürlich wird einer der beiden Märkte in einem bestimmten Zeitraum besser abschneiden als der andere. Aber auf lange Sicht, und in der Regel betrachten wir einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren, werden Sie feststellen, dass privates Beteiligungskapital besser abschneidet als öffentliches Eigenkapital.
SW: Wie sieht die Pipeline für Geschäftsabschlüsse aus und wie beurteilen Sie die Chancen in Bezug auf Ihr investierbares Universum?
KM: Das investierbare Universum sieht hervorragend aus. Jährlich werden etwa zehn Mrd. USD an Investitionen getätigt. Man darf jedoch nicht vergessen, dass 50 Prozent davon nicht überzeugend sind. Aber das müssen wir überprüfen, und ich weiss, dass mein Team ziemlich gründlich prüft. Etwa drei Mrd. USD dieses Transaktionsflusses sind ziemlich gute Deals. Und zwei Mrd. USD dieses Transaktionsflusses sind extrem überzeugend. Wir verfügen also über einen grossen Dealflow. Die Pipeline sieht im Moment sehr gut aus.
SW: Manchmal sind die Investoren darüber besorgt, dass zu viel Geld hinter zu wenigen Chancen herläuft. Halten Sie die Sorge für berechtigt?
KM: Das ist richtig. Es kommt darauf an, in welchem Markt man sich befindet. Vor nicht allzu langer Zeit, in den Jahren 2020 und 2021, war die Nachfrage zweifelsohne viel höher als das Angebot. Das hat sich in den Jahren 2022 und 2023 dramatisch geändert. Angebot und Nachfrage haben sich in diesem Zeitraum also komplett umgekehrt. Im Moment herrscht ein Überangebot an Deals und an Verkäufern, und es mangelt an Nachfrage. Wenn Sie also zum gegenwärtigen Zeitpunkt Kapital einsetzen können, bieten sich Ihnen einige wirklich hervorragende Chancen.
SW: Woher stammen also die Deals, die in das Portfolio aufgenommen werden?
KM: Nun, wir führen zwei verschiedene Arten von Transaktionen durch: Sekundärtransaktionen und Primärtransaktionen. Wir verfügen über ein starkes Netzwerk im Risikokapital-Ökosystem. Wir werden zu Primärtransaktionen eingeladen, und zwar durch unsere befreundeten Risikokapitalgeber und durch die Tatsache, dass wir in unserem Portfolio bereits in 85 Unternehmen investiert sind. Wenn Unternehmen also Transaktionsrunden, Primärrunden, durchführen, werden wir zu diesen Runden eingeladen. Ausserdem verfügen wir über ein gutes Netzwerk in der Banken-Community. Die Goldmans, Stanleys und JP Morgans, die Kapital für diese Unternehmen beschaffen, laden uns ebenfalls ein. Führen wir Sekundärtransaktionen durch, sind unsere guten Kontakte zu den Brokern von Bedeutung. Sie alle wissen, dass wir private Transaktionen kaufen. Die Broker-Community wird also im Laufe des Jahres eine Menge an Dealflow von ihnen sehen.
SW: Und abschliessend, was zeichnet Sie und Liberty Street Advisors Ihrer Meinung nach gegenüber der Konkurrenz und Ihren Mitbewerbern aus?
KM: Nun, wir sind passive Investoren. Wir nehmen also keine Sitze im Aufsichtsrat ein, was bedeutet, dass wir nicht mit unseren VC-Freunden konkurrieren. Ausserdem stellen wir unseren Portfoliounternehmen Liquidität zur Verfügung. Die Tatsache, dass die Unternehmen länger privat bleiben, stellt sie vor ein HR-Problem. Viele Mitarbeiter/-innen im Unternehmen sind zwar reich an Wertpapieren, aber nicht an Liquidität. Die Unternehmen benötigen also Liquidität, um ihre Mitarbeiter/-innen zu unterstützen. Und wir stellen diese Liquidität zur Verfügung, in der Regel zu sehr attraktiven Preisen.
SW: Kevin, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mit mir zu sprechen, und dass Sie diese Woche nach London gekommen sind.
KM: Sehr gerne, vielen Dank für die Einladung.
Kevin Moss, Managing Director von Liberty Street Advisors, Inc. verwaltet die Private-Shares-Strategie für GAM Investments.
Weitere Informationen über Liberty Street Advisors, Private Markets und Chancen im Bereich „Late-Stage Venture Capital“ finden Sie hier.
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Dieses Material enthält zukunftsgerichtete Aussagen in Bezug auf die Ziele, Möglichkeiten und die zukünftige Performance des US-Marktes im Allgemeinen. Zukunftsgerichtete Aussagen können durch die Verwendung von Worten wie "glauben", "erwarten", "antizipieren", "sollten", "geplant", "geschätzt", "potenziell" und anderen ähnlichen Begriffen gekennzeichnet sein. Beispiele für zukunftsgerichtete Aussagen sind u.a. Schätzungen in Bezug auf die Finanzlage, die Betriebsergebnisse und den Erfolg oder Misserfolg einer bestimmten Anlagestrategie. Sie unterliegen verschiedenen Faktoren, einschliesslich, aber nicht beschränkt auf allgemeine und lokale wirtschaftliche Bedingungen, sich ändernde Wettbewerbsniveaus innerhalb bestimmter Branchen und Märkte, Zinsänderungen, Änderungen in der Gesetzgebung oder Regulierung und andere wirtschaftliche, wettbewerbsbezogene, staatliche, regulatorische und technologische Faktoren, die sich auf die Geschäftstätigkeit eines Portfolios auswirken und dazu führen können, dass die tatsächlichen Ergebnisse erheblich von den prognostizierten Ergebnissen abweichen. Solche Aussagen sind zukunftsorientiert und beinhalten eine Reihe von bekannten und unbekannten Risiken, Ungewissheiten und anderen Faktoren, und dementsprechend können die tatsächlichen Ergebnisse erheblich von denen abweichen, die in solchen zukunftsorientierten Aussagen widergespiegelt oder in Erwägung gezogen werden. Potenzielle Anleger werden darauf hingewiesen, dass sie sich nicht auf zukunftsgerichtete Aussagen oder Beispiele verlassen sollten. Weder GAM noch eine seiner Tochtergesellschaften oder Direktoren noch eine andere natürliche oder juristische Person übernimmt eine Verpflichtung, zukunftsgerichtete Aussagen aufgrund neuer Informationen, späterer Ereignisse oder anderer Umstände zu aktualisieren. Alle hierin gemachten Aussagen beziehen sich nur auf das Datum, an dem sie gemacht wurden.
*Ein 40 Act-Fonds ist ein gepooltes Anlageinstrument, das von einer registrierten Investmentgesellschaft im Sinne des Investment Companies Act von 1940 (in den USA gemeinhin als 40 Act bezeichnet) angeboten wird.
Bei der genannten Strategie handelt es sich um die GAM-LSAPrivate-Shares-Strategie.